Warenkorb (0)

0,00 €

Dekantieren - Wein dekantieren | so wird’s gemacht

Die Franzosen sagen „décanter“, die Italiener „decantare“, die Spanier „decantar“ – und wir Deutschen sprechen vom Dekantieren. Gemeint ist mit dem Dekantieren der Vorgang des Abgießens einer Flüssigkeit in eine spezielle Karaffe aus Glas bzw. einen Dekanter.Sehr häufig wird der Begriff Dekantieren im Zusammenhang mit Wein verwendet, doch auch in der Chemie spielt Dekantieren als Aufreinigungsmethode vor der Filtration eine Rolle. Schon die Alchemisten vergangener Jahrhunderte nutzten mit dem sogenannten „decanthare“ ein ähnliches Verfahren zur Abtrennung vermischter Stoffe. Geht es um den Genuss von Wein, schwören manche Kenner und Liebhaber des edlen Rebensaftes auf den Dekanter, damit der Wein mit Sauerstoff in Kontakt kommt und so die ganze Fülle seiner Aromen entwickeln kann. Andere messen dem Dekanter keine größere Bedeutung bei, und einige Weinliebhaber halten das Dekantieren sogar für eine der Qualität gehaltvoller Weine abträgliche Unsitte. Die Meinungen und Überzeugungen sind darum überwiegend rein subjektiver Natur. Einen objektiven wissenschaftlich gestützten Beweis pro oder kontra Dekanter kann niemand erbringen – das Dekantieren von Wein ist und bleibt folglich Geschmackssache.

Wein dekantieren – so wird’s gemacht!

Für manche Weingenießer ist das Abfüllen edler Weine in den Dekanter ein Ritual, das mit großer Liebe und Sorgfalt ausgeführt wird. Einen schnellen Überblick, wie das Dekantieren und Abgießendes Weins in den Dekanter funktioniert, bietet unsere Infografik. Unverzichtbares Hilfsmittel für den Dekantiervorgang mit der Weinkaraffe aus Glas ist eine brennende Kerze – und Geduld beim Abgießen des Weines in die Karaffe. Ihr Licht verhindert, dass Trübstoffe in den Dekanter gelangen. Dies ist insbesondere bei alten und gehaltvollen Weinen wichtig. Dekantieren erfordert Geschick und Erfahrung. Schon das Greifen der Flasche will gekonnt sein: Der Daumen wird am Flaschenboden platziert, wo sich bei edlen Weinen im Glas meist eine Vertiefung befindet, während die übrigen Finger der Flasche Halt geben. Die andere Hand beschäftigt sich mit dem Dekanter, indem ebenfalls der Daumen am Boden der Karaffe ruht und die restlichen Finger die Wölbung des Dekanters umschließen. Sowohl Dekanter als auch Flasche Wein werden soschräg gehalten, dass der Flaschenhals sich direkt über der Kerze befindet. Trübstoffe lassen sich nun im Gegenlicht der Kerze rechtzeitig erkennen. Sobald diese hochkommen, sollte das Dekantieren – also das Ausgießen des Weines in den Dekanter – sofortgestoppt werden.

  • Gut zu wissen: Trübstoffe, die sich am Flaschenboden als sogenanntes Depot im Wein ablagern, sind nicht negativ zu bewerten, im Gegenteil. Sie bilden sich durch Zersetzung verschiedener Inhaltsstoffe und beim Absterben von Hefe. Insofern deuten sie die Trinkreife eines gehaltvollen Weins an und zeigen sich insbesondere bei Rotwein. Mitunter lässt sich das Depot leicht trennen, wenn es fest am Boden der Flasche abgelagert ist und beim Abgießen nicht sofort in den Dekanter gelangt. Puderförmiger Bodensatz hingegen wirbelt beim Dekantieren leicht auf, sodass Vorsicht bei Wein mit dieser Art von Depot geboten ist.

Wein dekantieren Infografik - so wird der Wein dekantiert

 


Welcher Wein in der Weinkaraffe seinen Charakter optimal entfaltet

Warum aber eigentlich Wein dekantieren – und vor allem: welchen Wein? Die meisten Weinkenner sind sich einig, dass nur bestimmte Weine durch das Dekantieren im Dekanter dank der Luftzufuhr geschmacklich gewinnen. Die Farbe des Weins ist aber nicht ausschlaggebend, sondern vielmehr Traubensorte, Qualität und Alter. Denn entgegen der mitunter vertretenen Meinung, nur Rotwein könne sich im Dekanter zum Positiven verändern,kann auch ein hochwertiger junger weißer Wein vom Belüften im Dekanter profitieren undden Weißweinfreund nach dem Dekantieren angenehm überraschen. Je reifer ein Wein ist, umso empfindlicher reagiert er auf den Kontakt mit Luft und umso eher neigt er zum „Umkippen“ – einem Wegsterben der Aromen, das sogar schon kurz nach dem Einschenken aus der Flasche in ein bauchiges Glas auftreten kann. Wer einen solchen gehaltvollen Wein dennoch ungern aus der Flasche servieren und stattdessen zum Beispiel vom Depot – dem Bodensatz eines tanninreichen, qualitätvollen Rotweins – trennen möchte, sollte bei der Wahl der Dekantierkaraffe darauf achten, dass diese Karaffe der Luft eine möglichst geringe Oberfläche und somit eingeschränkten Kontakt zum Wein bietet. Tipps zur Auswahl der passenden Karaffe enthält der nachfolgende Abschnitt „Wie sollte der Dekanter beschaffen sein?“ In jedem Fall muss das richtige Dekantieren erlernt, geübt und perfektioniert werden. Den Wein einfach schnell mal umfüllen? Lieber nicht: Beim Abgießen aus der Weinflasche in den Dekanter ist nämlich einiges Fingerspitzengefühl vonnöten. Rein ästhetisch betrachtet ist das Servieren von Wein aus der Karaffe jedenfalls immer dann zu bevorzugen, wenn Weinflaschen in feuchten Kellern gelagert werden. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit können Etiketten und Korken unansehnlich werden – ganz abgesehen vom modrigen Geruch, der dann dem Glas der Flasche oftmals anhaftet.

Wie sollte der Dekanter beschaffen sein?

Nicht jede beliebigebauchige Karaffe aus Glas ist als Dekanter geeignet – es kommt auch immer darauf an, was genau mit dem Dekantieren erreicht werden soll. Oft wird das Ziel des Dekantierens sein, einem jungen oder mitunter auch länger gelagerten Wein durch das Abgießen in den Dekanter Sauerstoff zuzuführen, damit sich dessen charakteristische Aromen entfalten. Dieser Vorgang wird auch als Karaffieren bezeichnet. Ebenso kann der Wein im Dekanter aber auch unerwünschte oder allzu dominante geschmackliche Attribute verlieren: Durch das Dekantieren in der Karaffe soll dann ein Gleichgewicht zwischen willkommenen und unwillkommenen Charakteristika geschaffen werden. Ein typisches Beispiel dafür ist im Barriquefass gereifter Wein, dessen Holznote mitunter extrem ausgeprägt sein kann, sodass der Dekanter seinen anderen Aromen etwas mehr Geltung verschafft. Dekanter werden überwiegend aus Glas gefertigt und es empfiehlt sich, beim Glas der Karaffe auf die Qualität zu achten. Zum einen deshalb, weil auch ästhetische Aspekte beim Dekantieren eine Rolle spielen, zum anderen aber auch wegen der Langlebigkeit. Gutes Glas hat bei pfleglicher Behandlung eine höhere Lebenserwartung. Tipps zur Reinigung und Pflege der Karaffe sind im Abschnitt „Karaffen und Dekanter aus Glas richtig reinigen“ zu finden. Optimalerweise haben Dekantierkaraffen einen flachen ausladenden Boden, um den Wein beim Dekantieren eine möglichst große Oberfläche für maximalen Luftaustausch bieten zu können. Nach oben hin verjüngt sich eine Karaffe und endet in einemschmalen Ausguss zum stilvollen Ausschank in das ebenfalls bauchige Glas. Gute Dekanter lassen sich unter anderem daran erkennen, dass sich das Glas auch nach längerem Gebrauch und mehrmaliger Reinigung nicht eintrübt. Eine Karaffe aus billigem Glas hingegen kann schon nach dem ersten Dekantieren trotz anschließender Reinigung trüb werden – und entsprechend wenig Freude wird ein Weinliebhaber am Dekanter haben.

Fehler beim Dekantieren und richtige Anwendung

Leider können beim Dekantieren mehrere Fehler gemacht werden, die letztlich zum Gegenteil dessen führen, was man eigentlich erreichen möchte: einen Wein in seiner ganzen Vielfalt und Größe zu genießen. Nicht unumstritten sind beispielsweise spezielle Ausgießer auf den Dekantierkaraffen. Sie sollen eine Verwirbelung des Weins bewirken und dadurch bereits beim Eingießen in den Dekanter möglichst schnell eine maximale Luftzufuhr zu generieren. Hier ist das Risiko hoch, einen empfindlichen Wein schon beim Eingießen dahin gehend zu beeinflussen, dass er sehr schnell Aroma und Charakter einbüßt. Es versteht sich von selbst, dass der Dekanter vor dem Dekantieren sauber und frei von jeglichen Gerüchen sein sollte. Erscheint eine Säuberung notwendig, um Staub zu entfernen, reicht ein Ausspülen mit heißem Wasser. Anschließend bitte die Karaffe abtrocknen und abkühlen lassen. Hierfür bieten sich Halterungen an, bei denen der Dekanter mit der Öffnung nach unten aufgestellt werden kann, ohne Kontakt zur Abtropfunterlage zu haben. Der Dekanter sollte Raumtemperatur haben, zum Dekantieren muss die Karaffe weder vorgekühlt noch angewärmt werden. Um dekantierte Weine gegebenenfalls ein bis zwei Tage genießen zu können, sind passende Verschlüsse für Dekanter erhältlich. Falls der Kork beim Öffnen der Weinflasche bricht und Korkreste in die Flasche gelangen, ist das kein Grund zum Verzweifeln. Einfach ein passendes Sieb auf die Öffnung der Karaffe setzen, damit kein Kork in den Dekanter gelangt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Dekantieren in der Karaffe?

Es gibt eine Faustregel, Wein mehrere Stunden vor dem Trinkgenuss nach dem Dekantieren im Dekanter „atmen“ zu lassen, aber diese Regel ist wirklich nur ein ganz grober Anhaltspunkt. Da jeder Wein seinen individuellen Charakter besitzt und im Glas wie in der Karaffe bzw. im Dekanter entsprechend individuell reagiert, variiert auch der perfekte Zeitpunkt für das Dekantieren extrem. Manche Weine entfalten sich erst nach 24 Stunden, andere Weine kippen schon nach kurzer Zeit im Dekanter um. Es kann sich lohnen, die Veränderung eines Rotweins im Dekanter über längere Zeit zu beobachten und zu dokumentieren. Die Entwicklung eines Weins in der Karaffe ist oft spannend – mit einem einfachen Blick durchs Glas ist es allerdings nicht getan. Von Zeit zu Zeit sollte ein kleiner Schluck aus dem Dekanter ins Glas gegossen und getestet werden. Zu den Weinen, die sich im Dekanter gut entwickeln, gehören Toskanaweine wie beispielsweise Brunello oder Barolo, aber auch Bordeauxweine der höchsten Kategorie. Nicht zu vergessen die bekannten Machoweine Spaniens aus Rioja oder Ribera del Duero, die mit ihren Tanninen prahlen und direkt aus der Flasche genossen oft sehr kantig wirken. Ein paar Stunden im Dekanter wirken hier wahre Wunder. Weinkenner und Sommeliers wissen auch um die verblüffende Wirkung des Dekantierens bei Weißweinen. Insbesondere bei den großen Weißweinen aus Burgund, bei den „fetten“ Chardonnays aus Übersee, oder auch bei den Barrique gelagerten weißen Burgundern aus deutschen Anbaugebieten – allen voran aus der Pfalz und Baden – lässt sich die ganze Vielfalt an Aromen und Attributen dieser Weine durch Einsatz eines Dekanters erschließen.

Wie bereits eingangs erwähnt, ist das Dekantieren aber auch Erfahrungssache. Weder gibt es eine allgemeingültige Regel, wie lange der eigentliche Prozess des Dekantierens dauern soll noch steht von vornherein fest, wie lange ein Wein im Dekanter bzw. in der Karaffe ruhen soll. Es gibt durchaus Jahrgänge, die sehr fragil sind. Sie dürfen nach dem Dekantieren dekantiert keinesfalls zu lange offen im Dekanter verweilen. Der Kontakt mit Sauerstoff wirkt sich bei ihnen zwar positiv aus, sie kippen aber von der einen auf die andere Minute und verändern sich im Dekanter nach kurzer Zeit negativ. Ein längerer Luftkontakt im Dekanter ist immer dann zu vermeiden, wenn Rotweine ihren Höhepunkt bereits überschritten haben. Im Extremfall werden diese auch ohne den Umweg über Karaffe oder Dekanter schon im Glas ungenießbar – wenige Minuten nach dem Einschenken. Diese empfindlichen Weine sind auch für Weinliebhaber nicht vorher erkennbar. Wir empfehlen daher, im Zweifelsfall beim Dekantieren nichts zu riskieren und ein Weinfachmann zurate zu ziehen, der seine Erfahrungswerte in Bezug auf das Dekantieren und die Verweildauer im Dekanter hat.

Karaffen und Dekanter aus Glas richtig reinigen

In Karaffen und Dekantern aus Glas bilden sich bei regelmäßigem Dekantieren gerne hartnäckige Ablagerungen, die nur schwer zu entfernen sind. Dazu gibt es mehrere Tricks, die Es lässt sich aber Abhilfe schaffen – zum Beispiel mit handelsüblichen Gebissreiniger-Tabletten! Sie haben viele Vorteile, denn sie sind preiswert, geschmacksneutral und säubern das Glas des Dekanters ebenso zuverlässig, wie rückstandsfrei. Selbst milchige Rückstände auf Dekantern und Karaffen aus empfindlichem Kristallglas lösen die Tabs, ohne das Material anzugreifen. Wer keine Tabs kaufen möchte, kann den Dekanter auch mit einfachem Backpulver reinigen. Dazu das Pulver in die Karaffe geben, mit Wasser übergießen und über Nacht einwirken lassen. Eine Mischung aus grobem Meersalz und Weißweinessig ist eine weitere Möglichkeit, um den Dekanter wie neu glänzen zu lassen. Hier ist allerdings etwas Muskelkraft erforderlich, denn die Mischung sollte im Dekanter kräftig geschüttelt werden, damit sich die Rückstände lösen.

Fazit

Es gibt keine allgemeingültige Regel, ob und wann ein Wein dekantiert werden sollte. Jenseits von eigenen Erfahrungswerten kann im Zweifelsfall nur ein Fachmann bzw. eine Fachfrau beurteilen, welcher Dekanter und welche Methode des Dekantierens für einen bestimmten Wein geeignet ist. Dies kann der Händler sein, im Idealfall auch der Winzer oder Weinerzeuger. Weinfachhändler kennen ihre Produzenten oft persönlich und können sich so direkt an der Quelle nach den Charakteristika der jeweiligen Weine erkundigen.





🍪 Cookie Einstellungen
Unser Shop nutzt Cookies, um Ihnen das bestmögliche Einkaufserlebnis zu bieten.